Tapeten der Vorzeit

Vor vielen Tausend Jahren haben Menschen Bilder an die Wände von Höhlen gemalt

Der Wissenschaftler Thorsten Uthmeier läuft nicht jeden Tag in Höhlen rum. Auch in der freien Natur ist er anzutreffen.
Der Wissenschaftler Thorsten Uthmeier läuft nicht jeden Tag in Höhlen rum. Auch in der freien Natur ist er anzutreffen.

Welche Tiere haben die Menschen damals am liebsten gemalt?

Thorsten Uthmeier: Besonders häufig sehen wir die großen Tiere der Eiszeit – Pferde, Rinder, Rentiere oder Mammuts. Sie wurden von den Menschen gejagt. Es gibt auch Bilder von Löwen oder Höhlenbären. Die waren zwar gefährlich für die Menschen, aber trotzdem sehr beeindruckend. Kleinere Tiere, Fische oder Vögel wurden eher selten gemalt.

Gibt es auch Bilder von Menschen?

Ja, sie sind aber oft nicht so genau gemalt wie die Tiere. Oft sehen sie aus wie ein Luftballon mit Gesicht oder erinnern an Gespenster. Manche sind auch Mischwesen aus Tier und Mensch. Außerdem gibt es Symbole an den Wänden, deren Bedeutung wir nicht genau kennen. Sie sehen aus wie ein Schlüssel, Äste oder ein Schachbrett. Möglicherweise markierten damit die einzelnen Sippen ihre Höhlen. Die Steinmenschen waren ja Jäger und Sammler und durchstreiften vermutlich große Gebiete. In ihren Höhlen lebten sie wahrscheinlich immer nur wenige Monate im Jahr.

Solche Bilder haben Menschen schon vor vielen Tausend Jahren an Höhlenwände gemalt. Bei diesem hier handelt es sich allerdings um eine Kopie.
Solche Bilder haben Menschen schon vor vielen Tausend Jahren an Höhlenwände gemalt. Bei diesem hier handelt es sich allerdings um eine Kopie

Gibt es verschiedene Formen von Höhlenmalereien?

Neben den gemalten Bildern finden wir auch Gravuren – also Tiere oder Muster, die mit Steinwerkzeugen in die Felsen geschlagen wurden. Besonders spannend finde ich die Gravierungen an den Außenwänden von Höhlen und an senkrechten Felswänden. Davon sind leider nur wenige erhalten. Diese Zeichnungen konnten alle vorbeiziehenden Menschen bewundern. Auch bei den Höhlenmalereien gibt es Unterschiede. Manche sind so groß, dass sie sofort beim Betreten der Höhlen ins Auge fallen, andere so versteckt, dass sie nach der Fertigstellung vermutlich kaum jemand gesehen hat.

Wer hat die Höhlenmalereien gemacht?

Ganz unterschiedlich. Es gibt Malereien, an denen ganz viele Menschen beteiligt waren, auch manche, die nicht so gut zeichnen konnten. Auch farbige Handabdrücke von Kindern gibt es an diesen Wänden. Viele der berühmtesten Höhlenmalereien wurden aber von echten Künstlern gemacht, die viel Übung hatten und vermutlich sehr oft in den Höhlen malten.

Wie und mit welchen Farben malten die Steinzeitmenschen?

Gemalt wird vor allem mit Holzkohle und Ocker. Dieses Mineralgemisch ist mal etwas gelblicher, mal eher rotbraun. Um daraus Farbe zu machen, wurde es mit Flüssigkeiten gemischt, vielleicht Spucke, Urin oder auch mit Tierfetten. Gemalt haben die Menschen mit ihren Händen oder Pinseln aus ausgefransten Ästen oder Tierhaaren. Für größere Flächen spuckten sie Farbe an die Wände.

Welche Bedeutung hatten die Höhlenmalereien für die frühen Menschen?

Wir erkennen viel von dem, was gezeichnet wurde, wissen aber nicht, warum es gezeichnet wurde und was es genau bedeutet. Die Menschen haben sich auf jeden Fall viel Mühe bei den Zeichnungen geben, egal ob sie nun für alle sichtbar waren oder ganz versteckt in den Höhlen lagen.

Das Gespräch führte Birk Grüling.

Weser Kurier 07.05.21

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