Wie bitte?

Für gehörlose Menschen ist eine Unterhaltung mit Mund-Nasen-Schutz sehr schwierig

LOUISA GRÜBLER

Leipzig. Ob in der Schule, im Bus oder im Supermarkt: Überall muss eine Maske getragen werden. Diese bedeckt die Nase und den Mund zum Schutz vor dem Coronavirus. Doch für hörgeschädigte Menschen ist das ein Problem: Wie viel Geld möchte der Mann an der Kasse im Supermarkt von mir haben? Was hat die Busfahrerin gesagt? Solche Momente kennst du vielleicht auch. Seit wir Masken zum Schutz vor dem Coronavirus tragen, verstehen wir uns manchmal schlechter. „Durch die Maske wird die Sprache für alle gedämpft“, sagt Beate Schwemmer. Eine Gruppe leide darunter besonders. „Hörgeschädigte trifft es am meisten, da wir auch schon ohne Maske Schwierigkeiten mit dem Verstehen haben.“

Beate Schwemmer ist schwerhörig. Das heißt: Sie hört und versteht Sachen schlechter. Damit sie ihre Mitmenschen dennoch verstehen kann, liest sie von den Lippen ab. Wenn der Mund durch die Maske verdeckt wird, dann ist es schwieriger, andere Menschen richtig zu verstehen. Das Problem haben auch taube Menschen. Sie sprechen Gebärdensprache. Mit den Händen formen sie Zeichen, die Gebärden genannt werden.

Dies ist ein Teil der Gebärde für „Bruder“ oder „Schwester“.
Dies ist ein Teil der Gebärde für „Bruder“ oder „Schwester“.

Das gebärdete Wort wird gleichzeitig mit dem Mund oder den Lippen geformt. Das Mundbild trägt also dazu bei, das Gesagte besser zu verstehen, erklärt Anja Kuhnert. Sie ist taub und kennt sich mit der Gebärdensprache sehr gut aus. Anja Kuhnert erklärt auch, dass es Gebärden mit derselben Bewegung gibt, zum Beispiel die Gebärde für Bruder und Schwester. Das heißt: Die Bewegung der Hände ist dieselbe, die Bewegung von Mund und Lippen aber nicht. Wenn man aber mit dem Mund das Wort BRUDER oder SCHWESTER formt, kann man die Gebärde unterscheiden. Unter der Maske geht das nicht. Das alles kann schwerhörige und taube ­Menschen verunsichern, ob sie etwas richtig verstanden haben. Aber welche Lösungen gibt es?

Es gibt Masken mit einem durchsichtigen Sichtfenster. So sind zum Beispiel die Bewegungen von Mund und Lippen zu sehen. Aber auch mit so einer speziellen Maske klingt die Stimme natürlich leiser. Außerdem kann die durchsichtige Folie durch den Atem beschlagen, wie bei einer Brille oder Fensterscheibe, die man anhaucht.

Sandra Bagus trägt eine Schutzmaske mit Sichtfenster: Die Geschäftsführerin eines Hörgeräte-Geschäftes hat die Maske für Schwerhörige entwickelt.
Sandra Bagus trägt eine Schutzmaske mit Sichtfenster: Die Geschäftsführerin eines Hörgeräte-Geschäftes hat die Maske für Schwerhörige entwickelt. Foto Weichrauch/DPA

Um hörgeschädigten Menschen das Verstehen zu erleichtern, kann man langsamer und deutlicher sprechen. Oder man nimmt zum Sprechen kurz die Maske ab. Dabei muss allerdings der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zu der Person eingehalten werden.

Falls das nicht möglich ist, gibt es noch ­andere Möglichkeiten: „Im Zweifelsfall ­müssen wir auf altbewährte Mittel wie Stift und Papier zurückgreifen“, sagt Beate Schwemmer. „Es gibt zwar auch Apps für Spracherkennung auf dem Smartphone, aber viele ältere Schwerhörige kommen damit nicht gut zurecht.“

Weser Kurier 28.01.21

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