Leben in der Kälte

Viele Menschen müssen auch bei Minustemperaturen auf der Straße schlafen

SOPHIA REDDIG

Berlin. Es ist kalt geworden. An manchen Orten in Deutschland hat es so viel geschneit, dass man etwa rodeln gehen kann. Doch darüber freuen können sich nicht alle. Zehntausende Menschen in Deutschland haben keine Wohnung und leben auf der Straße. Für sie ist der Winter eine besonders schwierige Zeit.

„Wenn man der Kälte schutzlos ausgeliefert ist, kann das sehr gefährlich werden“, erklärt Werena Rosenke. Sie kennt die Probleme von obdachlosen Menschen. In der Kälte kann es etwa Erfrierungen an Körperteilen geben. Wer schon krank ist, wird vielleicht noch kranker. Es kommt sogar vor, dass Menschen draußen in der Kälte sterben.

Auch jetzt im Winter leben viele Menschen auf der Straße. In den Unterkünften für Obdachlose können wegen der Corona-Pandemie auch viel weniger Menschen aufgenommen werden, als sonst.
Auch jetzt im Winter leben viele Menschen auf der Straße. In den Unterkünften für Obdachlose können wegen der Corona-Pandemie auch viel weniger Menschen aufgenommen werden, als sonst.

Dabei hat fast jede Stadt sogenannte Notunterkünfte. Die sind für Menschen, die keine eigene Wohnung haben. Doch manche Obdachlose nehmen diese Angebote nicht an. „Dafür gibt es viele Gründe“, sagt die Expertin. Zum Beispiel müssen die Menschen in den Unterkünften oft mit vielen Fremden zusammen in einem Raum schlafen. Da könne es zu Streit kommen oder dazu, dass der eine dem anderen etwas wegnimmt. „Manche haben auch einen Hund, der nicht mit in die Unterkunft darf. Den können sie dann natürlich nicht alleine draußen lassen“, erklärt Frau Rosenke.

Corona hat die Probleme an manchen Orten zudem verschlimmert. Die Unterkünfte können weniger Menschen aufnehmen, weil Abstand gehalten werden soll. Außerdem werden zusätzlich Masken, Desinfektionsmittel und schnelle Tests benötigt, um zu sehen, ob jemand das Virus in sich trägt.

Dazu kommt: Es fehlen manche der ehrenamtlichen Helfer. „Viele von ihnen sind Rentner und damit in der Risikogruppe“, sagt die Expertin. Das bedeutet, eine Ansteckung könnte für sie besonders gefährlich werden. „Oder sie sind Eltern und müssen nun daheim auf ihre Kinder aufpassen.“

Trotzdem geht die Hilfe für Obdachlose etwa bei der Berliner Stadtmission weiter. „Bei uns helfen viele Studentinnen und Studenten“, sagt Mathias Hamann. Die Stadt Berlin hat etwa auch für Obdachlose zusätzlich Zimmer in einfachen Hotels angemietet.

Mathias Hamann sagt: „Natürlich ist Corona eine zusätzliche Belastung. Aber wir –Hauptamtliche, Ehrenamtliche – arbeiten in unseren Schichten mit Maske, und ich finde es beeindruckend, wie toll alle hier mithelfen und wie viele sich an die Regeln halten.“

Weser Kurier 04.01.21

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